25
Jan
09

Rudolf Hans Zillgith (Gastartikel)

Ich will den verehrten Teilnehmern dieser Internetplatform meine Meinung zu einigen Punkten übermitteln:

1. Der Blog wurde nach den ersten Statements eingerichtet, um die derzeitige politische Situation in Oberkirch zu kritisieren und ggf. zu verändern. Die CDU hat hier die Mehrheit, die ihr aber von denen, die zur Wahl gehen auf demokratischem Weg gegeben ist. Wie immer, bei solchen Mehrheitsverhältnissen bilden sich Strukturen, die man (ich auch) nicht mag. Da auch die Kolleginnen und Kollegen der CDU-Fraktion meist blockeinheitlich abstimmern könnte man (rein theoretisch) die Stadtratssitzungen bleiben lassen und die Entscheidungen der CDU per Telefon oder E-Mail ins Rathaus übermitteln, die Verwaltung vollzieht dann. Trotz dieser Verhältnisse kommt es aber vor, daß man manchmal fraktionsübergreifend zu einer einheitlichen Meinung kommt. Und – die Gemeinderordung schreibt die Stadtratssitzungen zwingend vor.

2. Nach anfänglich breitem Meinungsspektrum wie Hallen, Finanzminister, Trinkwasser, Münch, Segelflugplatz, Mediathek hat sich dann die Diskussion fast ausschließlich auf die Mediathek konzentriert, das ist schade.

3. Der Beschluß für die Mediathek wurde mit einer Gegenstimme von Herrn Ziegler von allen anderen Stadträten aller Fraktionen gefaßt. Trotz dieser Tatsache(!) und trotz der vielen Kritik in diesem Forum bin ich der Meinung, daß diese Entscheidung richtig war. Allen Kritikern dieses Blog ist zu sagen, daß uns eine “Kopie” der Bühler Mediathek von niemanden aufgedrängt wurde. Wir haben uns intensiv mit diesem Thema befaßt, andere Mediatheken angesehen, uns von der Verwaltung über die Landesrichtlinien für das Bibliothekswesen intensiv informieren lassen und waren von der Lösung in Bühl begeistert. Wenn nun der Bau von einem der bisher 29 Teilnehmer in diesem Blog als “Alcatraz-Bau” bezeichnet wird ist das seine Meinung. Ich habe viele Einwohner Bühls gefragt was sie zur Architektur meinen, eine solche Meinung habe ich nie gehört. Den meistern Bühlern gefällts. Die Oberkircher Arbeitsgruppe, die sich schon einige Zeit mit der Feinplanung befaßt hat schon viele Modifikationen sowohl innenarchitektonisch als auch organisatorisch erarbeitet. Kritische Frage an die Hauptkritiker zurück: Wart Ihr schon mal in verschiedenen Biblio- oder Mediatheken, seid Ihr regelmäßige Nutzer oder schaut Ihr wie z.B. wie ich hin und wieder mal besonders Samstag vormittags dort vorbei? Habt Ihr mal mit den Nutzern gesprochen? Ich habe das, wie sicher auch Kolleginnen und Kollegen aus dem Stadtrat desöfteren getan.

4. Ich war am Samstag Vormittag in der Bibliothek in Baden-Baden. Es war dort eine Super-frequenz. Ich habe dem dortigen Bibliotheksleiter die Oberkircher Situation geschildert, auch die Kritik dieses Blogs, er konnte das nicht verstehen. Auch seiner Meinung nach ist eine Mediathek eine nicht mehr wegzudenkende Bildungseinrichtung, die unglaubliche Resonanz und Wirkung hat, das können aber Leute, die selbst eine solche Einrichtung nicht nutzen, kaum nachvollziehen.

5. Eine vierte oder sogar fünfte Liste würde nach dem anfänglichen Ziel dieses Blog dann Sinn machen, wenn man damit die CDU-Mehrheit brechen könnte. Wenn man damit aber nur den beiden kleineren Fraktionen FWV und SPD die Stimmen wegnehmen würde, ist überhaupt nichts gewonnen. Und …… wie stellen sich die Damen und Herren dieser Idee das vor? Eine neue Liste mit keinem anderen Ziel, als die Mediathek, die beschlossen und im Bau ist zu verhindern? Sparen Sie sich die Zeit! Zum einen ist Kommunalpoliltik ein sehr breites Feld und wenn man im Gemeinderat ist, sind halt auch sehr viele unspektakuläre Dinge zu erledigen. Wer darauf spekuliert, nur brisante und öffentlichkeitswirksame Dinge angehen zu können täuscht sich gewaltig und sollte dann den zeitlichen Aufwand gut überlegen.

6. Ich bin der festen Meinung, daß die Mehrheit der Oberkircher (damit meine ich Kernstadt und Ortschaften) die dann mal fertiggestellte Einrichtung begrüßen werden. Bei unseren bisherigen öffentlichen Diskussionen ( über Mediathek und auch das Gesundheitszentrum) war ich persönlich über die bürgerschaftliche Teilnahme sehr enttäuscht, zumal ich mich sehr dafür eingesetzt habe, das diese öffentlichen Veranstaltungen stattgefunden haben. Übrigens: Aller Wahrscheinlichkeit nach findet am 26. März eine Bürgerversammlung statt – insofern brauchts keine Aktivitäten aus dieser Diskussionsrunde und….die Mediathek steht natürlich auf der Tagesordnung.

7. Wie ich die Sperre der CDU für die Einrichtung der Mediathek werten soll weiß ich auch nicht. Ich denke, das kann nur eine wahltaktische Sache sein.

Resümee: Wer in Oberkírch was verändern will muß sich einbringen, und zwar ín meiner Fraktion, den Freien Wählern oder in der SPD oder in einer neuen Liste, die mithilft die Mehrheitsverhältnisse zu verändern. Dazu brauchts Mut (anonym kann man sich nicht aufstellen lassen) únd die Bereitschaft, nicht nur ein Thema herauszugreifen sondern sich in allen Belangen der Stadt einzumischen. Neue Gesichter sind immer eine Bereicherung, denn in der Stadtpolitik brauchen wir gestandene Frauen und Männer und keine Parteibuchbesitzer. Trotzdem kommt es vor, daß man zu großer Übereinstimmung in bestimmten Fällen kommt. Randale und der Randale willen ist keine Gemeindepolitik!

Ich bin für konstruktive Kritik, offene Diskussion und Anregungen dankbar.

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6 Responses to “Rudolf Hans Zillgith (Gastartikel)”


  1. 1 Snoopy
    28. Januar 2009 um 20:12

    @ frau schorschle
    gabs nicht im letzten jahr im rundblick einen bericht über das im gemeinderat vorgestellte konzept?
    aus einem völig aus dem zusammenhang gerissenen zitat der bib-mitarbeiterinnen konzeptlosigkeit abzuleiten, ist ja wohl etwas zu einfach. dieses zitat bezieht sich ausschließlich auf die verweildauer der nutzer. momentan leihen die nutzer ihre medien aus und verlassen die bib gleich wieder. in der mediathek gibt es platz, sich dort niederzulassen und vor ort zu schmökern.

  2. 2 Kleines Licht
    28. Januar 2009 um 13:06

    Liebe Frau Schorschles Frau,

    wir wollen doch nicht ernsthaft einen Ableger des Göthe-Instituts in Oberkirch. Diese Einrichtung dienen der Föderung der deutschen Sprache und Kultur im Ausland. Nicht das man in Baden auch en bischen Unterricht in deutscher Sprache gebrauchen könnte, aber das ist jetzt wirklich nicht die Idee.

    Oberkirch hat eine Bibliothek. Diese Bibliothek leistet in Anbetracht Ihrer Ausstattung und der bisherigen Unterstützung durch die Verwaltung, CDU und OB wirklich großartige Arbeit. Wenn nun die äusseren Bedingungen (Räume, Ausstattung, Personal und vor allem Unterstützung durch die wirklich Wichtigen) verbessert werden kann das nur gut sein.

    Sie werden kaum abstreiten, dass für viele Kinder der Einstieg in die Welt des Lesens über eine Bibliothek läuft. Das wird sich sicher auch in den nächsten Jahrzehnten nicht ändern, oder glauben Sie das Kinder demnächst in E-Books blättern werden. Alleine für diese Klientel würde sich eine deutliche Verbesserung der Situation lohnen. Hinzu kommen aber alle die Bürger, die entweder aus finanziellen Gründen oder aus Schwellenangst wenig Zugang zu den klassischen Medien vor allem aber zu den neuen Medien haben. Wo wollen Sie diese Klientel an so etwas heranführen wenn nicht in einer Bibliothek.

    Man kann sicher darüber streiten, ob das Ganze so groß, so teuer oder so unvorbereitet über die Bühne gehen muss. Das wird ja hier, aber nicht nur hier, ja auch getan. Auf alle Fälle nimmt ein solches Projekt auch die Verantwortlichen in die Pflicht es mit Leben zu füllen. Bei der Mediathek sehe ich da viele Chancen. Kritischer ist sicher der Bürgersaal, hier scheint es an Ideen auch völlig zu fehlen. Selbst die CDU denkt schon recht lange schweigend über ein (neues?)Konzept dafür nach.

    Also mitmachen, Diskussionen führen, Mitstreiter mobilisieren dann wird da schon was Gutes draus werden.

  3. 3 Balthasar
    26. Januar 2009 um 19:20

    Immerhin bleibt festzuhalten, dass am 26. März sehr wahrscheinliche eine Bürgerversammlung stattfinden wird. Ein Kompliment dafür an die Stadtverwaltung, dass sie mitgelesen hat und sich der Debatte stellt.
    Was ich aber nicht verstehe, lieber Herr Zillgith (wenn ich hier vorab schon eine Frage an Sie richten darf), ist, weshalb man nicht die Sanierungsbedürftigkeit der Erwin-Braun-Halle mit in die Überlegung zur Bebauung der Josef-Geldreich-Str. mit einbezogen hat. Sehen Sie nicht auch mögliche Synergien zwischen Tiefgarage am Marktplatz, einer dann wiederbelebten Spitzengastronomie und den Veranstaltungsräumen in der Josef-Geldreich-Str.?

    • 4 oberkirch
      27. Januar 2009 um 10:09

      Lieber Balthasar,
      unser Blog wird weiterhin von Vielen gelesen und wir nehmen mal an, dass unter den Lesern auch Angestellte der Verwaltung sind. Trotzdem glauben wir nicht daran, dass es wegen uns eine Bürgerversammlung geben soll. Im Ernst: Bürgerversammlungen gab es schon lange vor unserem Blog und wird es hoffentlich auch noch lange geben wenn unser Blog einmal in den Weiten des Internets verschwunden sein wird. Wichtig wäre halt, dass die Bürger die Chance sich zu versammeln auch nützen. Da lag bisher das Problem.

  4. 5 Schorschles Frau
    26. Januar 2009 um 18:53

    Lieber Herr Zillgith,

    der Begriff „Alcatraz“ wird in weiten Kreisen Oberkirchs verwandt, um die städtebaulich unglückliche bisherige Gestaltung des Marktplatzes zu brandmarken. Das damalig beauftragte Architektenbüro scheint von der dramatischen Kulisse des Filmklassikers „Jailhouse Rock“ mit Elvis Presley in der Hauptrolle inspiriert gewesen zu sein. Ich wundere mich ein wenig, dass Sie den Begriff Alcatraz irrtümlich auf den Entwurf zur Mediathek bezogen haben.

    Der Entwurf zur Mediathek scheint mir da doch eher ein hybrider, weil mit postmodernen Erker-Elementen versehener Bauhaus-Entwurf zu sein. Für eine Gewerbelage gewiß diskutabel, aber dem historischen Ensemble von Oberer Linde und Forsthaus gibt dieses architektursprachliche Potpourri den Rest. Auch scheint mir, dass kommerzielle Bauherren ihr architektursprachliches Geltungsbedürfnis besser im Griff haben als öffentliche Bauherren. Im Gegensatz zum Ärztezentrum erscheint der Entwurf der Mediathek über die Maßen ehrgeizig, architektursprachlich nachgerade auftrumpfend. Bizarr.

    Ihren Hinweis, dass für Mitarbeiter, die dieser Einrichtung Brot und Arbeit verdanken, die Mediathek eine aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenkende Einrichtung darstellt, und selbst die dort anzutreffenden Nutzer dies so sehen, will ich gar nicht hinterfragen. Nur können Sie mit derselben Argumentation ein Frauenhaus, ein Kinderheim oder auch eine Glücksspielautomatenhalle vertreten.

    Bildung ist Wissensvermittlung. Wem es damit ernst ist, der müßte zunächst ein Veranstaltungskonzept, ein Personalkonzept und dann auch ein Nutzer-Konzept erarbeiten, bevor er den Raumbedarf definieren kann. In der neuesten Ausgabe des „Rundblick“ vom 22. Januar lese ich, dass die Mitarbeiterinnen jetzt schon gespannt sind auf das neue Nutzerverhalten in der neuen Mediathek. Mit anderen Worten: Es gibt überhaupt kein Konzept.

    Der Fraktionsvorsitzende Kiefer hat hier im Blog angedeutet, dass die Oberkircher Stadtbibliothek in der Besucher- und Ausleihfrequenz einen Spitzenplatz im Regierungsbezirk bereits einnimmt. Alleine diese Beobachtung hätte genügt, um die radikale Veränderung des bestehenden, erfolgreichen Konzepts problematisch erscheinen zu lassen.

    Die Stadt Oberkirch hat auf ihrer Homepage unter den Kultur-Angeboten sogar das Goethe-Institut e.V. verlinkt. Schon mal nicht schlecht. Aber dann hätte die Stadtverwaltung auch die Kennziffern der Goethe-Institute bemühen können. Dann hätte sich folgendes Planungsbild ergeben: 1/3 Spracharbeit für Migrantinnen und Migranten, 1/3 Programmarbeit für alle (Lesungen, Vorträge, Diskussionsabende und Vorträge), und 1/3 Bibliotheksarbeit. Oder auch die Kostenstruktur einer solchen Einrichtung: Wieviele qm2 kann ein Mitarbeiter mit Programmen „bespielen“? Vier Bibliotheksmitarbeiter z.T. in Teilzeit, und die Ehrenamtlichen hinzugerechnet, werden 1.000 m2 Kultureinrichtung niemals mit Leben erfüllen. Die Mediathek bräuchte Dozenten und Dozentinnen, sowie einen professionellen Impresario aus der Kulturmittler- oder Erwachsenenbildungsbranche.

    Es wäre wirklich eine gute Investion gewesen, z.B. den Familien der Spätaussiedler mit Sprachprogrammen ein Bildungs- und Integrationsangebot zu unterbreiten. Das hätte man aber auch tagsüber im ‚freche hus‘ anbieten können, anstelle es „entlasten“ zu wollen, wie der OB wenig überzeugend vorgibt. Sie hätten mit den 4,5 Mio so sinnvolle Unterrichtsangebote finanzieren können und damit auch noch Jobs in Oberkirch schaffen können. Und die Josef-Geldreich-Str. einem kommerziellen Bauherrn überlassen wie der der Hurrle-Gruppe, die nicht nur die Bebauung finanziert, sondern noch mehr Arbeitsplätze damit geschaffen hätte.

    Aber was haben Sie gemacht? Sie haben für die Verlagerung von vier bis fünf Arbeitsplätzen aus dem charmanten Rathaus in eine Betongarage 4,5 Mio bewilligt, ohne die Finanzierung der eigentlichen Bildungsarbeit auch nur ansatzweise zu kalkulieren.

    Können Sie da nicht verstehen, dass viele Bürger glauben, dass es sich eher um eine kommunale Subvention der regionalen Bau- und der lokalen Handwerkerbranche handelt, als um eine „Investition in Bildung“, die eine nennenswerte Bildungsrendite abwerfen soll? Durch den Besuch einer gut ausgestatten Stadtbibliothek bereichern Sie das Freizeitangebot, zugegeben. Aber Bildung – und als Hörer bei Frau Prof. Höhler ist Ihnen das bekannt – entsteht nicht durch Freizeitangebote. Das Gegenteil ist sogar wahrscheinlicher, wenn unsere Schulkinder künftig nachmittags DVD-Filme in der Mediathek anschauen, anstelle Hausaufgaben zu machen oder sich zu Projektgruppen (mit personeller Betreuung!) in der Schule treffen.

  5. 6 Vordertälerin
    26. Januar 2009 um 16:28

    Respekt Herr Zillgith. Ihre Analyse deckt sich ziemlich mit dem Artikel „was sich ändern müsste“ auch hier im Blog. Ich kann Ihnen da nur zustimmen. Sie werden sich aber mit Ihrer offenen Meinungsäusserung in diesem Rahmen sicherlich einigen Ärger einhandeln. Aber, wie ich Sie einschätze sind sie das gewohnt 🙂


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