23
Jun
09

Analyse des Wahlergebnisses (Gastartikel)

Mit Hilfe von H nachstehend der Versuch einer Analyse des Oberkircher Wahlergebnisses:

1. Wahlbeteiligung

Gesamt 51,65 % gegen 52,4 % vor fünf Jahren. Es haben also von 15.393 Wahlberechtigten nur 7.951 Einwohner gewählt.
In der Kernstadt liegt die Wahlbeteiligung bei 38,4 %, der Wahlbezirk mit der höchsten Beteiligung ist Gaisbach mit 46,85 %, der niedrigste Fernach-Süd mit 31,31 %! Dies ist der Wahlbezirk mit den höchsten Zuzugsraten, die möglicherweise nicht oder noch nicht in Oberkirch
integriert sind.
Anders bei den Ortschaften, dort liegt die Wahlbeteiligung zwischen 58,76% (Haslach) und 44,83% (Ödsbach). Die Gegner der unechten Teilortswahl sehen hierin evtl. das Scheitern der Abschaffungsbemühungen.

2. Ungültige bzw. verschenkte Stimmen

Ungültige Stimmzettel gab es 409 von 7955, also 5,14 %, das sind ca. 10.000 Stimmen. Also ist nur eine Errechnung der Gesamtstimmen aus ungültigen und (absichtlich oder unabsichtlich) verschenkten Stimmen möglich. Hätten also alle 7955 Wähler korrekt gewählt und alle ihre 26 Stimmen ausgenützt, wären 206.830 Stimmen abgegeben worden, tatsächlich wurden aber nur 156.496 gezählt, sodaß 50.334 Stimmen ungültig oder verschenkt wurden. Das entspricht 24,3 %! Ein Vergleich dieser Zahlen mit den anderen großen Kreisstädten der Ortenau:

Offenburg – Wahlbet. 44,2 %, ungültig/verschenkt 17,2 % 40 Stadträte, keine Unechte TO-Wahl
Achern – Wahlbet. 52,6 %, ” ” 10,4 % 26 Stadträte, keine Unechte TO-Wahl
Kehl – Wahlbet. 42,8 %, ” ” 13,9 % 26 Stadträte, keine Unechte TO-Wahl
Lahr – Wahlbet. 38,1 %, ” ” 11,9 % 32 Stadträte, keine Unechte TO-Wahl
nochmal Vergleich:
Oberkirch – Wahlbet. 51,65% ” ” 24,3 % 32 Stadträte, unechte Teilortswahl

Nach Auskunft des Wahlamtes wurden viele wohnortbezogene Fehler gemacht, z.B. wurden verstärkt in Zusenhofen nur alle(!) Zusenhofener Kandidaten mit je 3 Stimmen bedacht, obwohl nur 2 gewählt werden durften. Manche Wähler gaben ihrem Kandidaten alle (!) 26 Stimmen.

Das Oberkircher Wahlergebnis wird die Gegner der Unechten Teilortswahl bestärken, denn 24,3 % “Ausfall-Stimmen” sind sehr hoch im Verhältnis zu den anderen Städten. Sie ist aber mit Sicherheit auch der Grund für die lange Auszählnacht, in die andere Diskussion wollen wir uns nicht einmischen.

3. Stimmenkönige:
Georg Wolf CDU 6.381
Monika Bähr CDU 5.782
Rudolf Hans Zillgith FWV 4.924
Braun Michael CDU 4.861
Hans-Jürgen Kiefer SPD 4.181
Eveline Seeberger CDU 4.090
Meier Hubert CDU 4.071

4. Besonderheiten

Die ehemalige Weinkönigin Bähr hat bei ihrer erstmaligen Kandidatur ein Super-Ergebnis erzielt – königlich eben. R.H.Zillgith von den Freien Wählern hat von den Altgedienten den größten Stimmensprung seit der letzen Wahl erreicht. Bei der CDU sind Jochen Bohnert und Brunhilde Hollnberger trotz guten Ergebnisses nicht mehr im Gemeinderat. Dafür ist Martin Renner eingezogen. Die CDU hat ihren 20. Sitz in der Kernstadt verloren.

Frau Kimmig in Tiergarten, die von Herrn Papst gewünschte Nachfolgerin als Ortsvorsteherin ist mit gutem Stimmenanteil in der Gemeinderat gewählt worden, in der Ortschaft landete sie an der zweitletzten Stelle. Wie ist das zu deuten?

Auch Fritz Hund aus Stadelhofen ist als zweiter seiner Ortschaft im Stadtrat, im Ortschaftsrat reichte es nur auf den letzten Sitz der CDU-Liste.

In Nußbach muß Karl-Heinz Teuscher CDU seinen Stadtratsitz an Joachim Haas von den Freien Wählern abgeben, bleibt aber im Ortschaftsrat.

In Bottenau hat die Ortsvorsteherin Theresia Huber für den Kreistag ein gutes Ergebnis eingefahren und gehört ihm auch künftig an. Für den Stadtrat hat sie stimmenmäßig nur den zweiten Platz hinter Franz Männle von der CDU geschafft, kam aber über einen Ausgleichsitz für die FWV wieder in den Stadtrat. Bottenau ist also künftig mit 2 Stadträten dort vertreten. Im Ortschaftsrat steht sie stimmenmäßig hinter Konrad Allgeier an 2. Stelle.

Im Ortschaftsrat Ringelbach hat der Ortsvorsteher Klaus Zerbian die zweitmeisten Stimmen nach Josef Bähr erreicht, er hatte nicht für den Gemeinderat kandidiert.

In Tiergarten gab es nur eine Liste, wie auch in Ödsbach! Gründe? Herr Papst hat es trotz eines geschickt lancierten Zeitungsartikel vor der Wahl doch nicht geschafft, über das gewünschte “Hinzuschreiben” nochmal in den Ortschaftsrat zu kommen.

In Zusenhofen gibt es wieder die Pattsituation, daß 5 CDUler 4 Freien Wählern und Petra Fischer von der SPD gegenüberstehen. Keine einfache Situation.

Zukünftig wird es im Oberkircher Gemeinderat 17 Räte/Rätinnen der Kernstadt und 15 der Ortschaften geben. Dies entspricht in etwa dem Verhältnis der Einwohnerschaft. Vielleicht bildet sich da künftig eine Art Solidargemeinschaft aller Fraktionen der Kernstadt. Man wird sehen. Denn die Dominanz der landwirtschaftlich orientierten Mitglieder der CDU ist nicht zu übersehen.

EP und H

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3 Responses to “Analyse des Wahlergebnisses (Gastartikel)”


  1. 1 Zapfenzieher
    24. Juni 2009 um 09:55

    Der ganze Stimmzettel wird ungültig, wenn irgendwo ein Fehler sich eingeschlichen hat.

  2. 2 vordertälerin
    24. Juni 2009 um 07:16

    Kann mal einer erklären, wann Stimmen für ungültig erklärt wurden und wie die Zahlen zustande gekommen sind? Was ich meine ist, wenn in einer Ortschaft ein Fehler gemacht wurde (zu viele Stimmen für einen Kandidat, oder zu viele Kandidaten gewählt) wurde dann nur die Ortschaft als ungültig gewertet oder der ganze Stimmzettel? Wenn nur die Ortschaft ungültig war, wurde dann der restliche Stimmzettel abzüglich der Ortschaft neu geprüft oder so gezählt wie er ohne diese Ortschaft vorlag? Beispiel: in Butschbach für einen Kandidaten 4 Stimmen, insgesamt 29 vergebenen Stimmen. Ist hier der ganze Stimmzettel ungültig weil zu viel Stimmen vergeben wurden, oder wird nur Butschbach ungültig, die Stimmen von dort abgezogen und die verbleibenden 25 Stimmen gezählt?

  3. 3 Walter
    24. Juni 2009 um 07:07

    Die Frage der ungültigen/verschenkten Stimmen ist in der Tat interessant. Die Befürworter der UTE erklären ja gebetsmühlenartig, dass es erstens nicht mehr ungültige Stimmen gibt als in anderen Systemen und zweitens, dass die Bürger ihre Stimmen freiwillig verschenken, weil sie keine geeigneten Kandidaten dafür finden. Die Zahlen, die EP und H hier vorstellen deuten zwar das Gegenteil an, werden die Argumentation der Befürworter nicht stören.

    Beim Erhalt der UTE geht es ja nicht darum, dass man mehr Stimmen für die Opposition verhindern möchte und auch nicht darum, dass die CDU weniger Stimmen bekommen könnte. Beides könnte passieren, lässt sich aber nicht seriös vorhersagen. Es könnte ohne weiteres auch ganz anders kommen. Es geht darum, dass die jetzige Struktur erhalten bleibt. Es soll so bleiben wie es ist, weil die, die zur Zeit von diesem System profitieren das auch zukünftig tun wollen.

    Daran wird sich erst dann etwas ändern, wenn in der Mehrheitsfraktion neues Denken einzieht und die neuen Köpfe auch die Chancen sehen, die ihnen bei ein neues, normales Wahlsystem geben kann. Das bereits dieses Mal junge Kandidaten aus dem Stand altgediente Kader überholt haben wird sich hier irgendwann bemerkbar machen.


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